
Der erste Bodenfrost im Selztal kommt selten mit Ankündigung. An einem milden Oktobersonntag noch T-Shirt-Wetter, am Montagmorgen liegt Raureif auf der Windschutzscheibe – und wer dann noch auf Sommerreifen unterwegs ist, merkt schnell, dass der Bremsweg an der ersten Kreuzung deutlich länger geworden ist. Seit dem 1. Oktober 2024 gelten zudem neue Regeln, welche Reifen überhaupt als wintertauglich zählen. Dieser Ratgeber zeigt Ihnen, wann der Wechsel wirklich fällig ist, welche Vorschriften jetzt gelten und worauf Sie bei Profil, Alter und Montage achten müssen.
Das Wichtigste in Kürze
- Als Faustregel gilt „von O bis O“ (Oktober bis Ostern) – entscheidender ist aber die 7-Grad-Marke, nicht das Kalenderdatum.
- Seit dem 1. Oktober 2024 sind nur noch Reifen mit dem Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) wintertauglich; die reine M+S-Kennzeichnung reicht nicht mehr.
- Der gesetzliche Mindestwert liegt bei 1,6 mm Profil – Experten empfehlen bei Winterreifen mindestens 4 mm.
- Winterreifen sollten ab sechs Jahren kritisch geprüft und nicht älter als acht Jahre gefahren werden.
- Ganzjahresreifen legten 2024 auf 36 Prozent Marktanteil zu, sparen aber weniger als viele denken.
- Prüfen Sie das Produktionsdatum über die DOT-Nummer auf der Reifenflanke – alte Reifen ohne Schneeflocke sind nicht mehr zulässig.
Lesezeit: 8 Minuten
Inhaltsverzeichnis
- Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Wechseln?
- Alpine-Symbol statt M+S: Die neue Rechtslage seit Oktober 2024
- Profiltiefe und Reifenalter: Wann Winterreifen ausgetauscht gehören
- Winterreifen oder Ganzjahresreifen – was passt zu Ihnen?
- Reifenwechsel selbst machen oder in die Werkstatt?
- Reifen richtig einlagern und pflegen
Wann ist der richtige Zeitpunkt zum Wechseln?
Die Frage nach dem perfekten Wechseltermin beschäftigt jeden Herbst aufs Neue. Es gibt eine gute Faustregel – und einen Wert, der wichtiger ist als jedes Datum.
Die bekannteste Orientierung lautet „von O bis O“ – von Oktober bis Ostern. Sie ist praktisch, weil sie leicht zu merken ist und den typischen Winterzeitraum in Deutschland gut abdeckt. Als grobe Planungshilfe funktioniert sie zuverlässig.
Entscheidender als der Kalender ist jedoch die Temperatur. Sobald die Werte dauerhaft unter 7 Grad Celsius fallen, verliert die Gummimischung von Sommerreifen an Grip. Winterreifen bleiben bei Kälte elastisch und bieten deutlich mehr Haftung – und zwar nicht nur auf Schnee, sondern auch auf nasser oder trockener kalter Fahrbahn.
In Rheinhessen erleben wir oft milde Herbsttage bis weit in den Oktober. Genau das ist die Tücke: Der Wintereinbruch kommt hier spät, dafür aber plötzlich. Ein klarer Frostmorgen im Selztal reicht, um bei Sommerreifen das Bremsverhalten spürbar zu verschlechtern. Wer erst beim ersten Frost an den Wechsel denkt, steht dann oft in der Warteschlange.
Termin früh sichern In der Hochsaison zwischen Mitte Oktober und den ersten Kälteeinbrüchen sind Werkstatttermine schnell vergeben. Wer den Wechsel bereits Ende September oder Anfang Oktober plant, vermeidet Wartezeiten und fährt rechtzeitig sicher.
Wichtig zu wissen: In Deutschland gibt es keine feste Winterreifenpflicht nach Datum. Es gilt eine situative Pflicht – bei winterlichen Straßenverhältnissen wie Schnee, Glatteis, Schneematsch oder Reifglätte müssen wintertaugliche Reifen montiert sein. Ob im November oder erst im Januar: Die Wetterlage entscheidet, nicht der Kalender.
Alpine-Symbol statt M+S: Die neue Rechtslage seit Oktober 2024
Bei den Vorschriften hat sich zuletzt Grundlegendes geändert. Wer das übersieht, riskiert ein Bußgeld – auch mit augenscheinlich intaktem Winterreifen.
Seit dem 1. Oktober 2024 gelten nur noch Reifen mit dem Alpine-Symbol – einem Bergpiktogramm mit Schneeflocke – als wintertauglich im Sinne der situativen Winterreifenpflicht. Die reine M+S-Kennzeichnung reicht nicht mehr aus (ADAC).
Das Alpine-Symbol finden Sie eingeprägt auf der Reifenflanke. Anders als die alte M+S-Angabe steht es für einen genormten Wintertauglichkeitstest – ein Reifen erhält es nur, wenn er die Bremsleistung auf Schnee tatsächlich nachweislich erbringt. Ein reines M+S-Kürzel dagegen durfte früher jeder Hersteller ohne Prüfung aufbringen.
Betroffen sind vor allem ältere Reifensätze: Vor Januar 2018 hergestellte Winterreifen ohne Bergpiktogramm dürfen seit Oktober 2024 nicht mehr bei winterlichen Verhältnissen gefahren werden. Kontrollieren Sie deshalb das Produktionsdatum anhand der vierstelligen DOT-Nummer auf der Reifenflanke.
Die letzten vier Ziffern der DOT-Nummer verraten die Produktionswoche und das Jahr. „4223“ bedeutet beispielsweise: Kalenderwoche 42 im Jahr 2023. So erkennen Sie auf einen Blick, wie alt Ihre Reifen sind und ob sie noch zulässig sind.
Wer bei Schnee oder Glätte ohne wintertaugliche Reifen unterwegs ist, riskiert ein Bußgeld und einen Punkt in Flensburg – bei Behinderung oder Gefährdung anderer fällt es höher aus. Im Zweifel prüfen wir Kennzeichnung und Alter Ihrer Reifen bei jedem Servicetermin mit.
Profiltiefe und Reifenalter: Wann Winterreifen ausgetauscht gehören
Ein montierter Winterreifen ist noch kein sicherer Winterreifen. Zwei Werte entscheiden über die tatsächliche Leistung: Profiltiefe und Alter.
Der gesetzliche Mindestwert liegt bei 1,6 mm Profiltiefe. Für Winterreifen ist dieser Wert allerdings viel zu niedrig – Experten empfehlen mindestens 4 mm, weil das Profil den Schnee und das Wasser verdrängen muss. Darunter lässt die Traktion auf Schneematsch und die Aquaplaning-Sicherheit deutlich nach.

Jeder achte Reifen mit zu wenig Profil Bei einer DEKRA-Reifencheck-Aktion an rund 3.000 Reifen lag jeder achte Reifen (12,5 Prozent) unter 4 mm Profiltiefe, der Durchschnitt betrug 5,5 mm. Der Hebel für Sie: Ein kurzer Profilcheck vor der Saison zeigt sofort, ob Ihr Satz noch wintertauglich ist. Quelle: DEKRA
Neben dem Profil zählt das Alter. Winterreifen sollten laut ADAC ab einem Alter von sechs Jahren kritisch geprüft werden, weil die Gummimischung dann einen Teil ihrer Eigenschaften einbüßt. Älter als acht Jahre sollten sie nicht sein – auch wenn das Profil optisch noch gut aussieht.
Wie stark der Zustand über Sicherheit entscheidet, zeigt der Blick auf Leistungsunterschiede: Im ADAC-Winterreifentest 2025 lagen zwischen dem besten und dem schlechtesten Modell bei einer Nassbremsung aus 80 km/h rund 15 Meter Bremsweg (Stiftung Warentest). Konkret heißt das: Ein abgefahrener oder gealterter Reifen steht dort noch mit voller Geschwindigkeit, wo ein guter längst zum Stehen kommt.
- Profiltiefe mit einer 1-Euro-Münze prüfen: Der goldene Rand ist 3 mm breit. Verschwindet er im Profil, haben Sie noch ausreichend Restprofil – wird er sichtbar, wird es kritisch.
- Reifenflanke auf Risse, Beulen und Verformungen absuchen. Solche Schäden können zu einem plötzlichen Druckverlust führen.
- DOT-Nummer ablesen und das Alter bestimmen. Ab sechs Jahren genauer hinschauen, ab acht Jahren austauschen.
Auch beim Neukauf gilt: Winterreifen sind kein gutes Sparobjekt. Der ADAC rät ausdrücklich dazu, in ein hochwertiges Modell zu investieren, weil schlechte Reifen deutlich längere Bremswege verursachen. Bei der Auswahl beraten wir Sie gern anhand Ihres Fahrprofils.
Winterreifen oder Ganzjahresreifen – was passt zu Ihnen?
Der Ganzjahresreifen wird immer beliebter. Ob er sich für Sie lohnt, hängt weniger vom Trend ab als von Ihrem persönlichen Fahrprofil.
Der Markt verschiebt sich spürbar: Winterreifen kamen 2024 auf 38 Prozent Marktanteil, während Ganzjahresreifen von 33 auf 36 Prozent zulegten (Auto-Medienportal). Der Trend zum Allrounder setzt sich laut BRV weiter fort.

Der Reiz liegt auf der Hand: nur ein Reifensatz, kein saisonaler Wechsel, keine Einlagerung. Doch das erhoffte Sparpotenzial fällt oft geringer aus als gedacht. Ganzjahresreifen haben in der Regel eine geringere Laufleistung und benötigen ebenfalls Wartung und Pflege – der zweite Satz ist also nur scheinbar überflüssig.
Der Kompromiss steckt in der Leistung: Ein Ganzjahresreifen ist im Hochsommer nie so gut wie ein Sommerreifen und bei starkem Schnee nie so sicher wie ein echter Winterreifen. Für Wenigfahrer in milden Lagen ohne regelmäßige Bergfahrten kann er dennoch eine praktische Lösung sein.
Winterreifen vs. Ganzjahresreifen im Vergleich
| Kriterium | Winterreifen (saisonal) | Ganzjahresreifen |
|---|---|---|
| Sicherheit bei Schnee/Frost | Sehr hoch | Ausreichend bis gut |
| Laufleistung | Höher | Meist geringer |
| Aufwand | Zweimal jährlich Wechsel | Kein Wechsel nötig |
| Geeignet für | Vielfahrer, höhere Lagen, Sicherheitsbewusste | Wenigfahrer, milde Regionen, Stadtverkehr |
| Einlagerung | Erforderlich | Entfällt |
Für die Region heißt das konkret: Wer als Pendler täglich ins Rhein-Main-Gebiet fährt oder gelegentlich in die Mittelgebirgslagen von Hunsrück oder Taunus muss, ist mit dem klassischen saisonalen Wechsel klar besser bedient. Wer nur kurze Strecken in und um Ingelheim fährt, kann über den Allrounder nachdenken. Welche Variante zu Ihrem Alltag passt, klären wir im persönlichen Gespräch.
Reifenwechsel selbst machen oder in die Werkstatt?
Grundsätzlich lässt sich ein Radwechsel selbst erledigen – bei modernen Fahrzeugen gibt es aber ein paar Punkte, die häufig unterschätzt werden.
Wer selbst wechselt, muss vier Dinge im Griff haben: das korrekte Drehmoment der Radschrauben, das Auswuchten der Räder, den Zustand der Radschrauben selbst und die RDKS-Sensoren. Werden die Schrauben zu fest oder zu locker angezogen, drohen Schäden oder im schlimmsten Fall ein sich lösendes Rad.
Besonders das Reifendruckkontrollsystem (RDKS) wird oft übersehen. Moderne VW- und Audi-Modelle warnen über Sensoren im Rad bei Druckverlust – nach dem Wechsel muss das System korrekt angelernt oder zurückgesetzt werden. Ohne fachgerechte Behandlung leuchtet die Kontrollleuchte oder die Warnung funktioniert nicht mehr zuverlässig.
Ein Werkstatttermin bringt hier mehrere Vorteile auf einmal: professionelle Prüfung von Profil, Alter und Zustand, korrektes Auswuchten, fachgerechte RDKS-Behandlung sowie Einlagerung und Dokumentation. Beim Senger Autohaus profitieren Sie zudem vom exklusiven VW Economy Service mit preisgünstigen Serviceleistungen speziell für ältere Fahrzeuge.
Als traditionsreiches Familienunternehmen seit 1933 und mit über 90 Jahren Erfahrung in der Region kennen wir die Anforderungen von VW- und Audi-Fahrzeugen genau. Ihren Wechseltermin buchen Sie bequem online – so vermeiden Sie gerade in der Hochsaison lange Wartezeiten.
Reifen richtig einlagern und pflegen
Wer den zweiten Satz zu Hause lagert, kann mit ein paar einfachen Regeln die Lebensdauer der Reifen deutlich verlängern.
Vor der Einlagerung sollten die Reifen gereinigt, auf Schäden geprüft und mit ihrer Position markiert werden (zum Beispiel VL für vorne links). So können die Reifen bei der nächsten Montage über Kreuz getauscht werden, was den Verschleiß gleichmäßiger verteilt.
- Lagerort: kühl, trocken und dunkel – fern von Ozonquellen wie Elektromotoren oder Heizungen.
- Komplette Räder (mit Felge) liegend stapeln oder an einer Halterung hängend lagern.
- Reifen ohne Felge stehend lagern und gelegentlich drehen, damit keine Standplatten entstehen.
- Reifendruck vor der Lagerung leicht erhöhen und regelmäßig kontrollieren.
Wer im Keller keinen Platz hat oder sich den Transport und die Pflege sparen möchte, nutzt die professionelle Reifeneinlagerung. Die Reifen werden fachgerecht gelagert, vor dem nächsten Aufziehen geprüft und stehen zum Termin bereit – eine komfortable Lösung ohne schmutzige Hände im Keller.
Ihre Winterreifen-Checkliste für die Saison
Vor dem Wechsel
- [ ] Wetterprognose beachten: dauerhaft unter 7 Grad Celsius?
- [ ] Termin frühzeitig buchen, um Hochsaison-Wartezeiten zu vermeiden
- [ ] Alpine-Symbol (Schneeflocke) auf der Reifenflanke prüfen
- [ ] DOT-Nummer ablesen und Reifenalter bestimmen
Zustandsprüfung
- [ ] Profiltiefe messen – mindestens 4 mm empfohlen
- [ ] Reifenflanken auf Risse, Beulen und Verformungen kontrollieren
- [ ] Reifen älter als sechs Jahre kritisch beurteilen, ab acht Jahren ersetzen
- [ ] Radschrauben und RDKS-Sensoren auf Zustand prüfen (lassen)
Nach dem Wechsel
- [ ] Reifendruck korrekt einstellen und RDKS anlernen
- [ ] Sommerreifen reinigen, Position markieren und Schäden prüfen
- [ ] Reifen kühl, trocken und dunkel einlagern oder professionell einlagern lassen
- [ ] Reifendruck der eingelagerten Reifen gelegentlich kontrollieren
Tipp: Speichern Sie diese Checkliste als Screenshot!
Fazit: Sicher durch den Winter: Der richtige Reifenwechsel zur richtigen Zeit
Der richtige Winterreifenwechsel ist mehr als eine Kalenderfrage: Temperatur, Profil, Alter und die seit Oktober 2024 geltende Alpine-Symbol-Pflicht entscheiden gemeinsam über Ihre Sicherheit. Wer den Zustand seiner Reifen kennt und rechtzeitig plant, kommt entspannt und sicher durch den rheinhessischen Winter.
Ihre nächsten Schritte:
- Reifen jetzt auf Alpine-Symbol, Profiltiefe (mind. 4 mm) und DOT-Alter prüfen
- Wechseltermin frühzeitig online buchen, bevor die Hochsaison beginnt
- Bei unsicherem Reifenzustand oder anstehendem Neukauf im Autohaus beraten lassen
- Sommerreifen fachgerecht einlagern oder die professionelle Einlagerung nutzen
Buchen Sie Ihren Reifenwechsel beim Senger Autohaus in Ingelheim bequem online – wir prüfen, wechseln und lagern fachgerecht ein.
Häufig gestellte Fragen
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Der Herbstcheck Schritt für Schritt: Batterie, Licht, Reifen und Sicht rechtzeitig prüfen – mit Praxis-Reihenfolge und Checkliste vom Autohaus in Ingelheim.
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